Hallo Du,

heute saß ich lange vor einem weißen Blatt Papier und habe mir Gedanken gemacht, was ich dir heute sagen möchte. Das Papier ist in Wirklichkeit mein Computer, doch was ich dir heute sagen will, weiß ich wirklich nicht. In meinem Kopf kreisen hundert Millionen Gedanken, sie bringen mich ins Schwanken. Also stopp! Ich durchbreche das Wirrwarr und ordne meinem Kopf einen Gedankenstopp an. Denn sie sind so mächtig und können Gutes und gleichzeitig Schlechtes anrichten. Sie können uns Freude und gleichzeitig Leid bringen. Denn Gedanken werden Dinge. Wenn ich an etwas glaube wird es Wirklichkeit. Doch heute mache ich Pause. Heute möchte ich mir ausnahmsweise mal nicht meinen Kopf zerbrechen. Über warum und wieso. Es wird schon irgendwo eine Antwort auf mich warten, ich muss ihr nur die Gelegenheit geben mich zu erreichen. Und vielleicht hilft mir dabei ein kleiner Gedankenstopp! Außerdem, wenn man nicht so viel denkt kann auch nicht so viel passieren.
Nun, wenn du jetzt denkst, nichts denken, das geht so wie so nicht hast du nicht ganz unrecht. Es gibt aber Methoden mit denen man das lernen kann. Und jeder fängt mal klein an. Also, ich probiere es einfach aus.

Blick aufs Meer

Als mir die Neurologin vor zehn Jahren sagte, dass ich MS habe, habe ich ihr das geglaubt. Seit dem dachten meine Gedanken diese Überzeugung. Ich habe MS. Die Kraft dieser Worte habe ich unterschätzt. Können sie nicht etwa auslösen, dass gerade jetzt die Krankheit voranschreitet? Dass nicht gerade jetzt die Symptome stärker werden? Wenn sich alles nur noch darum dreht, bleibt kein Platz mehr für das Andere. Für die andere Wahrheit. Für Gesundheit und Glück. Ich bitte dich heute um Entschuldigung, denn ich habe meinen Gedanken gerade freien Lauf gelassen und will dir das unzensiert schicken. Ich denke, das wirst du verkraften. Dann lass ich dich jetzt mal in Ruhe und schalte den Computer ab. Aber zum Schluss hänge ich dir noch ein Gedicht an, nicht sehr tiefgründig, aber es reimt sich und will sagen, dass es doch immer auf die Gedanken ankommt, die durch ihre Bewertung etwas gut oder schlecht machen, alles ist doch relativ. Es muss ja nicht immer alles einen besonderen Sinn ergeben, oder?

So wünsche ich dir heute einen relativ schönen Tag. Und hoffe, dass da wo du wohnst die Sonne durch die Wolken blinzelt und dir dein Gemüt erhellt.

Herzliche Grüße
Die Schmettleringsdompteurin

Eva

 

Alles ist relativ

Der Witz, der Dich zum Lachen bringt.
Die Küche, die nach Bratwurst stinkt. 

Das Kind, das einen Streich ausheckt.
Der Vater, der den Esstisch deckt.

Die Blume. die im Frühling blüht.
Die Sonne, die am Himmel glüht.

Der Zahnarzt, der die Brücke baut.
Der Dieb, der eine Tasche klaut.

Der Floh, der gerne Hunde juckt.
Der Junge, der vom Hochhaus spuckt.

Die Frau, die eine Zeitung liest.
Der Maulwurf, der beim Graben niest.

Der Gärtner, der die Hecke schneidet.
Die Dame, die sich ganz fein kleidet.

Der Ball, der nie das Rollen lässt.
Ja sogar das Weihnachtsfest.

Ist auch eine Nase schief,
ist das wirklich relativ.