Hallo du,

wenn einem seine Kinder einen Spiegel vor die Nase halten, kann das ziemlich schmerzhaft sein. Denn Kinder sind ehrlich. Mit etwas Glück kommt nach dem Schmerz das Aha-Erlebnis. Aber bis dahin suche ich den Ausgang!

Ausgang

So ist es mir gestern ergangen, als ich meine ältere Tochter darauf angesprochen habe, ob sie in den Ferien nicht mal an einem Sportcamp teilnehmen möchte, weil ich eben finde, dass es schade wäre, wenn sie immer nur zu Hause in ihrem Zimmer sitzt.

Du willst wissen was meine Tochter geantwortet hat?

 

Dann mal los:

„Weißt du Mama, ich meine das nicht böse und du brauchst auch überhaupt nicht zu versuchen das irgendwie zu erklären. Aber du lebst mir doch nichts anderes vor. Du bist doch auch den ganzen Tag zu Hause und hängst vor dem Laptop rum! Noch ein bisschen mit mir spielen und das war´s dann auch. Wie soll ich das anders lernen? Kinder sind Fans von ihren Vorbildern und du bist mein wichtigstes Vorbild. Also lerne ich von dir. Du brauchst jetzt nichts zu sagen, so isses doch, oder?„

Mit diesen Worten verließ sie das Wohnzimmer.

PauseUnd ich saß da wie ein begossener Pudel. Na ja. Ich fühlte mich eher wie ein klitzekleines Chihuahua Baby, das gerade etwas angestellt hat und dafür ausgeschimpft wird.

Und das Schlimme, meine Tochter spricht die Wahrheit.

Die Erkrankung hat mich an mein zuhause gefesselt und mich starr und unbeweglich gemacht. Ich fahre nicht mehr Auto und weite Strecken sind bis jetzt noch ein Wunschtraum. Einfach mal spontan etwas unternehmen ist nicht mehr. Alles braucht viel Zeit.

Früher sind die Kinder einfach rausgegangen, in den Wald, auf die Straße oder den Sportplatz. Erinnerst du dich noch? Wir waren immer ein bunte Mischung aus Jungs und Mädchen verschiedener Altersklassen. Jeder hat mit jedem gespielt und die Älteren haben auf die Kleineren geachtet. Heute ist das anders. Heutzutage werden Kinder von einem Hobby zum nächsten kutschiert. Und das ist genau das Problem. Ich kann das nicht. Aber weil draußen niemand ist und kaum ein Kind Zeit zum einfach mal spielen hat, bleiben meine zuhause. Und das macht traurig. Steckt doch so viel Potential in ihnen. Wer weiß was aus ihnen werden würde, wenn ich sie besser fördern könnte?

Nachdem meine Tochter sich in ihr Zimmer zurückgezogen hatte, weil sie sich das Elend nicht länger mit ansehen wollte, konnten ihre Worte in mir wirken. Die ersten Tränchen kullerten aus meinen braunen Augen. Ich fühlte mich wie links und rechts geohrfeigt.

Ein trotziger Teenager der zu spät nach Hause gekommen ist und nachts von seinem Vater mit einer Ohrfeige in Empfang genommen wurde. Und jede einzelne hat getroffen. Direkt ins Herz.

Aber jetzt bin ich kein trotziger Teenager mehr. Ich bin erwachsen und kann anders mit dieser Kritik umgehen. Also, Tränen weggewischt und nachdenken.

Ja, mein Kind hat Recht. Ich lebe ihr nichts anderes vor und offensichtlich ist sie mein größter Fan.

Dass das auch mal anders war, daran kann sie sich leider nicht mehr erinnern. Als sie noch kleiner war, habe ich viel mit ihnen unternommen, Kinder mit zu uns nach Hause genommen und war aktiv und oft mit ihnen draußen. Wir haben viel gebastelt und gemalt und uns ist eigentlich immer etwas eingefallen was Spaß macht. Ich war immer engagiert und habe alles für sie getan. Es ist schon ein paar Jahre her. Sie weiß es nicht mehr. Sie sieht, was jetzt ist und trifft mit ihrer Beobachtung den Nagel auf den Kopf.

Hände


Und die Moral von der Geschicht´.
Widersprich einem ehrlichen Kind lieber nicht.
Denn öffnet es erst einmal zornig den Mund.
Der Volksmund hat Recht – Kindermund tut Wahrheit kund.

Ja, so ist das. Und jetzt, nachdem ich der Erkenntnis Grüß Gott gesagt habe, kann ich beginnen, darüber nachzudenken, was ich tun kann, um diesen starren Zustand zu verändern.

Wünsch mir viel Glück, vielleicht liegt die Lösung für mein Problem schon ganz in meiner Nähe. Ich kann sie nur noch nicht sehen, weil ich eben selbst mitten drin stecke, in diesem Schlamassel. Dann ist es doch ganz praktisch, wenn man so einen ehrlichen und liebenswerten Spiegel vor sich sitzen hat. Man muss nur bereit sein endlich die Augen zu öffnen.

So, und jetzt möchte ich dir, wie versprochen, die Lösung zum vergangenen Bilderrätsel verraten.

Bilderrätsel

Trommelwirbel:

SCHNEEGLÖCKCHEN

Na, hast du es gewusst?

Sei nicht traurig, wenn du mein Frühlingsgedicht nicht bekommen hast. Sicher gibt es bald wieder die Gelegenheit ein Rätsel zu lösen. Und dann bekommst auch DU ein Überraschungsgedicht.

Ich wünsche dir einen ehrlichen Tag. Und wenn dir beim Mittagessen ein Spiegel gegenüber sitzt, trau dich ruhig hineinzuschauen. Es kann dich nur bereichern.

Herzliche Grüße
Die Schmetterlingsdompteurin

Eva